Erste-Hilfe-Kurs für Hunde

Erste-Hilfe-Kurs für Hunde

Schnell ist es passiert: Der Hund hinkt elend nach einem Sprint über das Feld oder durch den Wald zum Besitzer zurück oder hat nach Zoff mit einem anderen Hund eine Verletzung. Was nun? Selber behandeln oder zum Tierarzt gehen? Mit etwas Fachwissen lässt sich diese Frage sehr viel einfacher beantworten.

Es tut einem im Herzen weh, wenn der tierische Freund leidet. Deshalb reagieren viele Tierbesitzer wenig gelassen, wenn ihr Liebling nicht im Strumpf ist, und rennen selbst bei vermeintlichen Bagatellen zum Tierarzt. Weshalb das so ist, obwohl der Tierarzt unter Umständen nicht mehr machen kann, als wir selber?

Wir fühlen uns oft nicht befähigt zu beurteilen, ob wir den medizinischen Umstand richtig einschätzen. Und dass die Tiere sich uns nicht mitteilen können, macht uns umso unsicherer. Dabei ist den meisten nicht bewusst, dass wir einen riesengrossen Vorteil gegenüber dem Tierarzt haben: Wir kennen das Tier und seine Verhaltensweisen in- und auswendig und können das medizinische Problem leichter in einen sinnvollen Zusammenhang bringen oder das Spektrum der Möglichkeiten eingrenzen. Denn wenn wir gesehen haben, wie verrückt der Hund über das Feld gerannt und dann hinkend zurückgekommen ist, ist es naheliegend, die Pfote zu kontrollieren und allfällige Fremdkörper zu entfernen oder anzunehmen, dass er ausgerutscht ist und etwas gedehnt oder gestaucht hat.

Das Paradoxe: wenn wir selber umknicken, käme es uns im Traum nicht in den Sinn, am gleichen Tag wegen überdehnter Bänder zum Arzt zu gehen - bestenfalls nach 2 Tagen, wenn es nicht besser wird. Beim Tier warten wir kaum je einen Tag. Denn der Tierarzt verkauft uns nicht einen Pfotenverband oder Schmerzmedikamente sondern vor allem eine teure Portion Beruhigung.

Bauchverband_Hund

Um besser abschätzen zu können, wann selber Hand angelegt werden kann und wann der Tierarzt unverzüglich konsultiert werden muss, habe ich einen eintägigen Erste-Hilfe-Kurs für Hunde bei Priska Pola gemacht.

Der Tageskurs begann mit einem Abriss zu Anatomie und Vitalfunktionen/Werten des Hundes. Was sehr theoretisch anmutet, ist wichtig für das allgemeine Verständnis der Materie. Denn wenn man weiss, wie schmal die gesunde Bandbreite der Körpertemperatur bei Hunden ist, dann ist klar, weshalb das Laufen auf heissem Asphalt im Sommer für ein Tier, das sich nur über Pfoten und Zunge abkühlen kann, schnell lebensbedrohend wird.

Auch ihr breites Wissen aus der Tierheilkunde liess Priska zu den verschieden Themenbereichen einfliessen, um auf unschädliche Alternativen zu den gängigen pharmazeutischen Mitteln aufmerksam zu machen (z.B. gegen Zecken und Flöhe). Nach abwechselnd Theorie, Praxisrunden und vielen Zwischenfragen ging es am Ende des Kurzstages nochmals ans Eingemachte: An der einzigen Erste-Hilfe-Hundepuppe in der Schweiz übten wir die Beatmung durch die Nase, Herzmassage und lernten die verschiedenen Verbandsarten von Ohren- über Pfoten- über Bauch- bis zum Rutenverband.

Viele Themen wurden angestossen, die jedoch mittels des gut illustrierten Kursmaterials im Nachgang nochmals nachgearbeitet werden können. Denn sowohl beim Erste-Hilfe-Kurs für Menschen als auch für Tiere gilt: nur durch Übung und Repetition ist man im Notfall einsatzfähig.

Priska, weshalb hast Du dich dafür entschieden, „Nothelferkurse“ für Tiere anzubieten?

Ich hatte gerade gewechselt von der Grosstierrettung zur Kleintierrettung. Bei vielen Einsätzen war ich immer sehr spät vor Ort und dachte mir, dass es hilfreich wäre, wenn die Hundehalter über Erste-Hilfe-Massnahmen Bescheid wüssten. So könnten sie helfen, das Leiden der Tiere zu lindern und wären überdies beschäftigt. Denn das Warten auf Hilfe, ohne etwas tun zu können, ist beinahe unerträglich. Und so habe ich 2005 angefangen, den Kurs aufzubauen. Bis zur ersten Durchführung hat es dann jedoch weitere 5 Jahre gebraucht.

Muss mein Hund zum Tierarzt, wenn er z.B. plötzlich hinkt?

Das hängt von den Voruntersuchungen ab, die man an Ort und Stelle machen kann. Zuerst tastet man die betroffene Pfote und das betroffene Bein von unten nach oben ab um eventuelle Fremdkörper zwischen den Pfotenballen und dem Zwischenzehenbereich zu finden und zu entfernen und um den Schmerzpunkt zu finden.

Falls der Hund das Bein gar nicht mehr belastet, sollte man sofort in eine Tierarztpraxis fahren. Wenn der Hund aber mit dem Bein auf den Boden auftritt, kann man davon ausgehen, dass nichts gebrochen ist. Man sollte den weiteren Verlauf gut beobachten, denn das Hinken kann viele Ursachen haben. Wenn sich bis zum nächsten Tag keine Besserung einstellt, sollte man eine Tierarztpraxis aufsuchen. Es wird dann bei Bedarf ein Röntgenbild anfertigt und der Hund wird mit Medikamenten versorgt. Sicher sollte man den Hund ein paar Tage schonen und darauf achten, dass er das betroffene Bein nicht überlastet.

In welchen Fällen lohnt es sich, erst zu versorgen und abzuwarten?

Erst zu versorgen lohnt sich meistens. Abwarten kann man immer dann, wenn die Vitalfunktionen normal sind, der Hund in einem sonst guten Allgemeinzustand ist und auch sonst keine schweren Symptome zeigt.

Handelt es sich aber um eine mögliche Vergiftung, hat man keine Zeit zu verlieren, auch wenn der Hund (noch) keine Vergiftungserscheinungen zeigt. Bitte den Hund niemals selber zum Erbrechen bringen. Bei ätzendem Gift würde das Erbrochene ansonsten die Speiseröhre verätzen. In diesem Fall ist es sehr wichtig, die Reste des gefressenen Giftes oder Erbrochenes (falls der Hund von sich aus erbricht) dem Tierarzt mitzubringen, damit schnell bestimmt werden kann, um welches Gift es sich handelt bzw. welche Behandlung nötig ist.

Was gehört nach deiner Meinung auf jeden Fall in jede tierische Hausapotheke?
  • 1-3 Kohäsiv-Binden (selbsthaftend)
  • eine sterile, beschichtete Wundkompresse
  • eine Polsterwatte
  • Desinfektionsmittel
  • eine Augenspülung (Kochsalzlösung 0,9 Prozent)
  • eine Rettungsfolie
  • 1 Fiebermesser
  • eine innen geriffelte Pinzette
  • eine Verbandsschere
  • eine Taschenlampe
  • ein steriles Tuch für die Beatmung

Vielen Dank, Priska.

Die Inhaberin und Geschäftsführerin von Tierseminar.ch, Priska Pola, hat als diplomierte Tierheilpraktikerin, Tierpsychologische Beraterin, Pferdesamariterin/–sanitäterin und Ersatzfahrerin bei der Tierrettung sowohl ein umfassendes Wissen als auch fundierte Erfahrung im Bereich der Notfall- und Erstversorgung von Tieren. In ihren Kursen, zu finden unter www.tierseminar.ch bringt Sie engagierten Tierhaltern näher, wie sie ihre vierbeinigen Lieblingen bei einem medizinischen Vorfall besser (erst-) versorgen können, wo eine Tierarztkonsultation keinen Nutzen bring und wann es keine Zeit zu verlieren gibt, das Feld den Profis zu überlassen.

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