Interview mit Beat Eichenberger (Hundeschule Wolfsrudel)

Interview mit Beat Eichenberger (Hundeschule Wolfsrudel)

Schaut man sich die Website der Hundeschule Wolfsrudel von Bernadette Kälin und Beat Eichenberger in Hünenberg/ZG (www.wolfsrudel.ch) an, wähnt man sich ausbildungstechnisch im Schlaraffenland. Die Palette an Erziehungs-, Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, die das engagierte Trainer-Team anbietet, scheint schier endlos. Da die Schule auch künftige Hundetrainer ausbildet, gibt es für interessierte Hundeleute eine grosse Bandbreite an Vorträgen und Lectures zu Themen von A wie Ausdrucksverhalten bis V wie Verhaltensbiologie. Angeschlossen an die Schule sind überdies Kompetenzteams für Suchhunde und Social Dogs, wo passende Mensch-Hundeteams das Gelernte in die Praxis umsetzen können.

Petsitting24: Herr Eichenberger, welchen Ausbildungsstil bzw. welche Philosophie vertreten Sie und weshalb?

Beat Eichenberger: Wir vertreten keine bestimmten Ausbildungsstil, denn Hundetraining ist individual Training. Jeder Hund ist eine Persönlichkeit und dies muss berücksichtigt werden. Wir unterscheiden klar zwischen Ausbildung und Erziehung, dies sind unterschiedliche Seiten. Bei der Erziehung sehen wir der autoritativen Erziehung entgegen also nicht autoritär und auch nicht antiautoritär. Beim autoritativen Erziehungsstil von Hunden bieten wir Orientierung und Halt, für eine sichere Umgebung. Wichtig ist dabei eine liebevolle Aufnahme in die soziale Gemeinschaft (Mensch/Hund). Auch dient die Vermittlung von Schutz und Geborgenheit, in der Gemeinschaft unter Einhaltung von Regeln, wiederum der Sicherheit und dem Geborgensein aller. Es wird dabei dem Hund viel Freiheit gewährt aber gleichzeitig werden klare Grenzen gesetzt. Die Regeln sind unter dem Aspekt „Schutz und Geborgenheit“ durchdacht und klar erkennbar. Der Hund wird ernst genommen und soll nicht blindlings folgen, sondern aus eigener Motivation das Richtige tun. Gefühle und Persönlichkeiten sind dabei die Grundlage. In der Ausbildung arbeiten wir mit «Motivation & Freude» und berücksichtigen die Fähigkeiten jedes einzelnen. Wie beim Menschen sind beim Hund die Beweggründe etwas gerne zu tun unterschiedlich, diese gilt es zu erkennen und zu fördern.

Petsitting24: Viele Hundehalter tendieren inzwischen dazu, ihre Hunde aus dem Tierheim oder Auslandtierschutz zu adoptieren. Was bedeutet das für Eure Arbeit?

Beat Eichenberger: Dies bedeutet, dass wir einmal mehr die Hundehalter ausbilden. Hunde in unsere Gesellschaft zu integrieren ist oftmals nicht ganz einfach. Vor allem wenn es sich um Hunde mit Kulturwechsel handelt. Menschen, die Hunde mit veränderter Wahrnehmung bei sich aufnehmen, sind oftmals überfordert. Viele haben sich dies völlig falsch vorgestellt und dachten, dass ein liebvolles Umsorgen ausreichen würde. Da kommt aber meistens noch viel mehr dazu.

Petsitting24: Immer öfter liest man Artikel zum Thema Burnout bei Hunden, insbesondere bei Arbeitshunden mit hoher Leistungs- und Kooperationsbereitschaft. Bei Euch könnte man fast täglich mit dem Hund arbeiten. Wieviel Auslastung, Training, Aktivität ist sinnvoll und ab wann wird es kontraproduktiv?

Beat Eichenberger: Eine berechtigte Frage, denn häufig werden Hunde überfordert. Wir achten penibel darauf, dass die Hunde nicht überlastet werden. Dies ist in der heutigen Gesellschaft die grössere Gefahr als Hunde anzutreffen mit zu wenig Beschäftigung. Hunde brauchen sehr viel Ruhephasen und dies muss gewährleistet sein. Es gibt verschiedene Indizien und die Symptome einer Über- oder Unterforderung sind sehr ähnlich. Da Hunde – wie bereits erwähnt – Persönlichkeiten sind, kann man auch hier nicht generalisieren. Was für den einen Zuviel ist, ist für den anderen Zuwenig. An dieser Stelle möchten wir erwähnen, dass Hunde oftmals zulange alleingelassen werden und man dies mit viel Aktivitäten versucht zu kompensieren. Unsere Familienhunde brauchen den Menschen als Freund & Partner in seiner direkten Umgebung.

Petsitting24: Neben den Ausbildungsangeboten für die Hunde und künftige Hundetrainer habt Ihr auch ein Suchhunde Team und ein Social Dog-Team. Was könnt Ihr uns darüber erzählen?

Beat Eichenberger: Ja wir legen in der Ausbildung und Beschäftigung von Hunden sehr viel Wert darauf, dass die Hunde in der Ruhe arbeiten können. Ruhige Arbeiten schaffen den nötigen Ausgleich zum Alltag und sind entsprechend anspruchsvoll für Mensch und Hund. Die zwei angesprochenen Bereiche sind zudem die Zukunft unserer Arbeitshunde. Schutzhunde, Hütehunde, Hofhunde und andere Arbeitshunde werden zunehmend zu einem Relikt unserer Vergangenheit. Das Arbeitsumfeld von Hunden hat sich gewandelt, denn vermehrt ist die Feinfühligkeit sowie die sensible Nase unserer Vierbeiner gefragt. Assistenzhunde, Krebsfrüherkennungs-Hunde, Kardiowarn-Hunde, Epilepsie-Warnhunde, Therapiehunde, Schulhunde, Diabetes-Warnhunde, Suchhunde u.v.m sind die Hunde, welche den Menschen im 21. Jahrhundert unterstützen werden. Sie sind die modernen Arbeitshunde. Somit sind Themen wie Referenz-Geruchsdifferenzierung, spezialisierte Geruchserkennung aber auch soziale Arbeiten mit Hunden (Therapie) wichtige Ausbildungen. Mit unserem Suchhundeteam und dem Social Dog Team, decken wir einige dieser Anforderungen, an den modernen Hund, ab. Wer mehr wissen möchte ist jederzeit willkommen, uns zu besuchen. Bei uns darf man auch ohne Voranmeldung einen Augenschein nehmen. Wir sind aber auch gerne bereit E-Mails zu beantworten für detailliertere Fragen, welche unsere Homepage nicht abdeckt.

Herzlichen Dank für die spannenden Ausführungen Herr Eichenberger.

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