Sicherheit für Kinder mit Hunden

Sicherheit für Kinder mit Hunden

Kinder und Hunde gehören ganz einfach zusammen. Doch werden besonders kleine Kinder überdurchschnittlich oft gebissen - häufig vom eigenen oder einem bereits bekannten Hund. Weshalb? Menschen glauben, dass Hunde sich wie Menschen verhalten und machen deshalb instinktiv ganz viel falsch…

Hunde leben schon seit ewigen Zeiten mit Menschen zusammen. Nichts desto trotz ist die Kommunikation zwischen Hund und Mensch oft holprig. Denn obwohl Hunde mit einem umfangreichen Repertoire von nonverbalen Signalen – die wir in ähnlicher Form übrigens oft selber auch nutzen - mit uns kommunizieren, übersehen wir diese oder verstehen, beziehungsweise interpretieren wir sie oft falsch.

Menschen kommunizieren anders, Hunde auch

Da Hunde durch Assoziationen lernen, kann aus deren Sicht grobes, unachtsames, distanzloses Verhalten zu negativen Verknüpfungen mit Kindern führen, was ein unbeschwertes und somit sicheres Zusammentreffen künftig erschwert. Denn es ist ein Irrglaube, dass Hunde alles sofort wieder vergessen – sie verzeihen uns einfach nur ungemein viel.

Die wichtigste Regel, die Kinder (und Erwachsene) im Umgang mit Hunden lernen müssen, ist der Respekt vor dem Lebewesen. Wird dem Kind ein „Wauwau“ stets als Kuscheltier und Spielzeug präsentiert, wird es nicht verstehen, dass Hunde auch „unfreundlich“ sein können.

Fremder Hund - defensiv ist das neue Offensiv

Eltern wollen für ihre Kinder nur das Beste und wünschen sich, dass sie mutig und offen auf andere zugehen. Diese Haltung ist in der Mensch-Mensch-Beziehung wünschenswert, beim Kontakt mit (fremden) Hunden allerdings gefährlich.

Bei der Begrüssung einer unbekannten Person ist jedem klar, dass ein gewisses Mass an Distanz gefragt ist. Entsprechend schütteln wir Hände oder nicken einander zu. Bei der Begrüssung eines fremden Hundes hingegen vergessen viele diese Benimmregeln. Völlig hemmungslos wird dieser überrollt, getätschelt und geherzt. Ein Mensch würde in derselben Situation wohl erst konsterniert, dann aber recht ruppig reagieren. Wen wundert’s, wenn der Hund dies ebenfalls nicht toleriert.

Wird der Hundehalter vorgängig gefragt, ob ein Kontakt erlaubt ist, steht einem Zusammentreffen nichts im Weg. Zuerst stellt man sich dem Hund „standesgemäss“ vor und bietet die Hand zum Beschnüffeln an. Zeigt der Hund freundliches Interesse, darf er auch angefasst werden. Der Hundehalter weiss, wo er dies am meisten mag. Dreht der Hund sich oder seinen Kopf weg, will er in Ruhe gelassen werden. Kinder verstehen es sehr gut, wenn man ihnen erklärt, dass der Hund jetzt grade keine Lust hat.

Ein besonders heikles Thema sind Hunde und Babys. Es ist immer wieder erstaunlich, wie (fahrlässig) unbeschwert Eltern ihre Babys fremden Hunden „vorsetzen“. Aus der eigenen Verzückung über den niedlichen Hund heraus vergessen sie die Hauptregel, den Hundehalter um Erlaubnis zu fragen und halten dem Hund ungeniert das Baby ins Gesicht; und dies obwohl verschiedene Hunderassen über mehrere Tonnen Beisskraft verfügen…

Weshalb beissen Hunde

Ein gut sozialisierter Hund – also ein Hund der seit Welpenalter ausreichend positiven Kontakt mit anderen Hunden und Menschen hatte, genügend Zeit mit seiner “Hundefamilie” verbringen und damit das Einmaleins des Hunde-Knigge von seiner Mutter lernen durfte und von seinen Menschen anständig erzogen wurde - wird nicht grundlos zubeissen. Passiert es dennoch, sind diesem Vorfall eine oft lange Reihe (unbewusster) Provokationen vorangegangen, die den Hund zu dieser - in seinen Augen gerechtfertigten - Massregelung veranlassen.

Folgende Situationen können beissen oder schnappen provozieren:

  • Umarmen, bedrängen, sich über den Hund beugen oder darüber/darauf legen, darüber steigen oder den Hund mit Spielzeug oder Futter foppen;

  • Wenn das Kind dem Hund (un-/absichtlich) Schmerzen zufügt oder ihn erschreckt (auf ihn tritt, ihn knufft oder an Ohren, Fell oder Rute zieht);

  • Anstarren ist eine Kampfansage! Kinder (und auch Erwachsene) stellen sich gerne vor Hunde hin und schauen ihnen mit vorgerecktem Kopf in die Augen. Der offene Blickkontakt – in der Menschenwelt ein Zeichen von Respekt und Vertrauen – kann in der Hundewelt - besonders bei unsicheren/ängstlichen Hunden - als offene Drohung interpretiert werden und einen Angriff provozieren.

  • Ein angebundener Hund kann sich einer für ihn unangenehmen Situation nicht entziehen. Angebundene Hunde sollen immer in Ruhe gelassen werden.

Hündisches Verhalten

  • Hunde „besitzen“ nur wenige Dinge wie die eigenen Welpen, das Futter, den Wassernapf, Spielzeug und das Hundebett. Neigt der Hund dazu, das eine oder andere zu verteidigen, ist das Kind gefährdet und darf sich dem Hund in diesem Zusammenhang nicht ohne Aufsicht nähern.

  • Beim rauen, gemeinsamen Spielen im Garten kann es dazu kommen, dass der Hund zuschnappt, wenn er sehr aufgeregt ist. Bei grosser Aufregung sollte das Spiel zwischen Kind und Hund deshalb sicherheitshalber abgebrochen werden.

  • Wenn Kinder schreiend (weg-)rennen, kann der Hund diese als „Beute“ betrachten. Rennt ein Hund dem Kind nach, ist die beste Reaktion für dieses „still und stumm wie ein Baum“ stehen zu bleiben. Ein stiller Baum wird rasch langweilig und der Hund wird weggehen.

  • Wurde der Hund zu früh von der Mutter weggenommen oder schlecht sozialisiert, kann er Menschen oder andere Hunde härter massregeln als nötig, weil seine „Beisshemmung“ nicht richtig anerzogen worden ist.

Alter, Schmerz und Krankheit

  • Sind wir krank oder verletzt, reagieren wir oftmals ungehalten oder aggressiv – Hunde auch.

  • Auch alte Hunde werden dement. Die Demenz beeinträchtigt dabei deren Möglichkeit, Schmerzen genau zu lokalisieren. Dadurch können Sie ihre Schmerzen mit unseren Streicheleinheiten verbinden, was aggressive Reaktionen provozieren kann. Überdies sinkt die Toleranzgrenze alter Hunde grundsätzlich; sie ertragen – wie wir im Alter auch – schlicht nicht mehr so viel wie früher.

Hunde mit Jobs

  • Hunde bewachen/verteidigen ein Revier. Geht ein Kind in den Garten eines unbeaufsichtigten Hundes, kann dies problematisch werden.

  • Herdenschutzhunde schützen ihre Tiere - auch gegen Kinder. Sie nehmen ihre Aufgabe sehr ernst. Tierherden, die von Schutzhunden bewacht werden, müssen deshalb immer grossräumig umwandert werden.

  • Treib- und Hütehunde zwicken die Tiere, die sie treiben sollen, in die Beine. Gelegentlich glauben sie, die Kinder treiben/hüten zu müssen, was sie zum gleichen Verhalten veranlasst.

Dies sind ein paar rudimentäre Anhaltspunkte, anhand derer Sie erkennen können, wo Kinder/Menschen und Hunde in Konflikt geraten können. Damit Sie weiteres Rüstzeug erhalten, um künftig besser abzuschätzen, welche Signale bei den Hunden auf Stress hinweisen, finden Sie im nächsten Newsletter eine Reihe Bilder und Situationen, mit welchen Sie das Einmaleins der Hundesprache üben können.

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